10.01.2026 - Die Deutschen besitzen erstmals mehr als zehn Billionen Euro
Heiner Flassbeck:
Mit dieser Überschrift beschreibt ntv, dass in dem „wunderschönen Land“
(Friedrich Merz) das Geldvermögen (nicht das Vermögen insgesamt!) einen Wert
überschritten hat, der uns vor Begeisterung in Jubelstimmung versetzt. Im Text
wird sodann festgestellt, dass „Das Vermögen der Deutschen wächst, in der Summe
wird das Land immer reicher.“ Auch das Handelsblatt und der Tagesspiegel feiern
diese wunderbare „Rekordsumme“.
Wir sind also alle reicher geworden, weil es den reichen Menschen in
Deutschland schlicht unmöglich war, das Geld, das ihnen Monat für Monat
zufließt, auszugeben. In den oberen Einkommensklasssen hat man so viel verdient,
dass man 40, 50 oder sogar 60 Prozent einfach nicht brauchte und dieses Geld
folglich zur Bank oder zu einem sonstigen „Investor“ getragen hat, der damit
zinstragende Papiere gekauft hat.
Haben Sie etwas davon verspürt, wie dieser Vorgang, den wir üblicherweise
„sparen“ nennen, auch Sie reicher gemacht hat? Viele denken komischerweise, dass
gerade das Gegenteil passiert: Sie werden ärmer, weil der Staat so viele
Schulden macht, dass sie früher oder später dafür bezahlen müssen. Was stimmt
also? Machen uns hohe Geldvermögen reich oder arm?
Offensichtlich ist es Unsinn zu behaupten, „wir“ würden reicher, wenn – bei
einem gegebenen Einkommen – weniger Geld ausgegeben und folglich mehr gespart
wird. Da aber die Einkommen leider nicht gegeben sind, sondern ganz unverschämt
schwanken, ist die relevante Frage, die auf dieser Seite schon hunderte Male
behandelt wurde, ob mehr Sparen die Chance, ein vernünftiges Einkommen zu
erzielen, verbessert oder verschlechtert.
Die Antwort, ich muss das nicht ausführlich wiederholen, ist klar: Damit die
wunderbaren 10 Billionen Euro überhaupt gespart werden konnten, mussten sich
andere um genau die zehn Billionen Euro verschulden. Also zehn Billionen plus
und zehn Billionen minus, das Ergebnis für das „Geldvermögen“ des Landes ist
exakt gleich null. Weil aber Schuldner weniger leicht zu finden sind auf dieser
Welt als Sparer, war das Risiko, dass wegen der Ersparnisse das Einkommen aller
sinkt, ungeheuer hoch. Die Chance, ein vernünftiges Einkommen zu erzielen, wurde
wegen hoher Ersparnisse verschlechtert.
Wer sagt, wir würden reich, weil einige Menschen einen hohen Überschuss ihrer
Einnahmen über ihre Ausgaben haben, ist ein Schwachkopf. Ich verweise auf ein
Papier aus dem vergangenen Jahr, wo es um 100 Billionen Staatsschulden auf der
Welt ging.
Dort hieß es: „Wer angesichts solcher Bedrohungsszenarien und der
unvorstellbar großen Zahlen noch nicht vom Hocker gefallen ist, sollte einfach
einen Moment nachdenken. Wenn die Staaten der Welt um 100 Billionen über ihren
Verhältnissen leben, also mehr ausgeben, als sie einnehmen, wer lebt dann und um
wieviel genau unter seinen Verhältnissen, gibt also weniger aus als er einnimmt?
Die Antwort ist furchtbar einfach: Die privaten Haushalte der Welt und die
Unternehmen der Welt zusammengenommen leben um genau 100 Billionen unter ihren
Verhältnissen, denn die Welt insgesamt kann ja nicht mehr tun, als entsprechend
ihren Verhältnissen zu leben, und andere Akteure gibt es einfach nicht.
Nun muss man nur eine einzige Frage beantworten, um zu einem fundierten
Urteil über die Staatsschulden zu kommen. Haben die privaten Haushalte und die
Unternehmen freiwillig gespart, also unter ihren Verhältnissen gelebt, oder hat
der Staat sie dazu gezwungen? Auch die Antwort kann nicht umstritten sein:
Niemand zwingt die Haushalte und die Unternehmen dazu, einen Teil ihrer
Einnahmen nicht wieder auszugeben, sondern zur Bank oder auf die Kapitalmärkte
zu tragen und auf eine Verzinsung zu warten.
Wer aber freiwillig sein Geld auf den Kapitalmarkt trägt, erwartet offenbar,
dass es dort Akteure gibt, die bereit sind, über ihre Verhältnisse zu leben,
Kredite aufzunehmen, das aufgenommene Geld zu investieren und aus der Rendite
der Investition Zinsen für die Sparer zu bezahlen.
Wer jedoch sollte dieser Akteur im globalen Maßstab sein, wenn sowohl die
privaten Unternehmen als auch die privaten Haushalte es vorziehen, auf der
Sparerseite zu stehen?
Wenn der „Weckruf“ des IWF den Zeitgeist gegen sich hat, ist der Zeitgeist
ein kluger Bursche (oder ein Mädel natürlich). Wer dagegen den Weckruf für
zeitgemäß hält, der hat weder die Zeichen der Zeit noch fundamentale
gesamtwirtschaftliche Logik verstanden. Dass man Letzteres sogar dem IWF
vorwerfen muss, zeigt, dass man mit der herrschenden Lehre in der Ökonomik
endgültig und vollständig brechen muss (wie hier geschehen).“
Dieser Text erschien zuerst am 6.1.2026 auf dem Blog Relevante Ökonomik.
10.01.2026 - Die Deutschen besitzen erstmals mehr als zehn Billionen Euro
Mit dieser Überschrift beschreibt ntv, dass in dem „wunderschönen Land“ (Friedrich Merz) das Geldvermögen (nicht das Vermögen insgesamt!) einen Wert überschritten hat, der uns vor Begeisterung in Jubelstimmung versetzt. Im Text wird sodann festgestellt, dass „Das Vermögen der Deutschen wächst, in der Summe wird das Land immer reicher.“ Auch das Handelsblatt und der Tagesspiegel feiern diese wunderbare „Rekordsumme“.
Wir sind also alle reicher geworden, weil es den reichen Menschen in Deutschland schlicht unmöglich war, das Geld, das ihnen Monat für Monat zufließt, auszugeben. In den oberen Einkommensklasssen hat man so viel verdient, dass man 40, 50 oder sogar 60 Prozent einfach nicht brauchte und dieses Geld folglich zur Bank oder zu einem sonstigen „Investor“ getragen hat, der damit zinstragende Papiere gekauft hat.
Haben Sie etwas davon verspürt, wie dieser Vorgang, den wir üblicherweise „sparen“ nennen, auch Sie reicher gemacht hat? Viele denken komischerweise, dass gerade das Gegenteil passiert: Sie werden ärmer, weil der Staat so viele Schulden macht, dass sie früher oder später dafür bezahlen müssen. Was stimmt also? Machen uns hohe Geldvermögen reich oder arm?
Offensichtlich ist es Unsinn zu behaupten, „wir“ würden reicher, wenn – bei einem gegebenen Einkommen – weniger Geld ausgegeben und folglich mehr gespart wird. Da aber die Einkommen leider nicht gegeben sind, sondern ganz unverschämt schwanken, ist die relevante Frage, die auf dieser Seite schon hunderte Male behandelt wurde, ob mehr Sparen die Chance, ein vernünftiges Einkommen zu erzielen, verbessert oder verschlechtert.
Die Antwort, ich muss das nicht ausführlich wiederholen, ist klar: Damit die wunderbaren 10 Billionen Euro überhaupt gespart werden konnten, mussten sich andere um genau die zehn Billionen Euro verschulden. Also zehn Billionen plus und zehn Billionen minus, das Ergebnis für das „Geldvermögen“ des Landes ist exakt gleich null. Weil aber Schuldner weniger leicht zu finden sind auf dieser Welt als Sparer, war das Risiko, dass wegen der Ersparnisse das Einkommen aller sinkt, ungeheuer hoch. Die Chance, ein vernünftiges Einkommen zu erzielen, wurde wegen hoher Ersparnisse verschlechtert.
Wer sagt, wir würden reich, weil einige Menschen einen hohen Überschuss ihrer Einnahmen über ihre Ausgaben haben, ist ein Schwachkopf. Ich verweise auf ein Papier aus dem vergangenen Jahr, wo es um 100 Billionen Staatsschulden auf der Welt ging.
Dort hieß es: „Wer angesichts solcher Bedrohungsszenarien und der unvorstellbar großen Zahlen noch nicht vom Hocker gefallen ist, sollte einfach einen Moment nachdenken. Wenn die Staaten der Welt um 100 Billionen über ihren Verhältnissen leben, also mehr ausgeben, als sie einnehmen, wer lebt dann und um wieviel genau unter seinen Verhältnissen, gibt also weniger aus als er einnimmt?
Die Antwort ist furchtbar einfach: Die privaten Haushalte der Welt und die Unternehmen der Welt zusammengenommen leben um genau 100 Billionen unter ihren Verhältnissen, denn die Welt insgesamt kann ja nicht mehr tun, als entsprechend ihren Verhältnissen zu leben, und andere Akteure gibt es einfach nicht.
Nun muss man nur eine einzige Frage beantworten, um zu einem fundierten Urteil über die Staatsschulden zu kommen. Haben die privaten Haushalte und die Unternehmen freiwillig gespart, also unter ihren Verhältnissen gelebt, oder hat der Staat sie dazu gezwungen? Auch die Antwort kann nicht umstritten sein: Niemand zwingt die Haushalte und die Unternehmen dazu, einen Teil ihrer Einnahmen nicht wieder auszugeben, sondern zur Bank oder auf die Kapitalmärkte zu tragen und auf eine Verzinsung zu warten.
Wer aber freiwillig sein Geld auf den Kapitalmarkt trägt, erwartet offenbar, dass es dort Akteure gibt, die bereit sind, über ihre Verhältnisse zu leben, Kredite aufzunehmen, das aufgenommene Geld zu investieren und aus der Rendite der Investition Zinsen für die Sparer zu bezahlen.
Wer jedoch sollte dieser Akteur im globalen Maßstab sein, wenn sowohl die privaten Unternehmen als auch die privaten Haushalte es vorziehen, auf der Sparerseite zu stehen?
Wenn der „Weckruf“ des IWF den Zeitgeist gegen sich hat, ist der Zeitgeist ein kluger Bursche (oder ein Mädel natürlich). Wer dagegen den Weckruf für zeitgemäß hält, der hat weder die Zeichen der Zeit noch fundamentale gesamtwirtschaftliche Logik verstanden. Dass man Letzteres sogar dem IWF vorwerfen muss, zeigt, dass man mit der herrschenden Lehre in der Ökonomik endgültig und vollständig brechen muss (wie hier geschehen).“
Dieser Text erschien zuerst am 6.1.2026 auf dem Blog Relevante Ökonomik.
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