Hilfe, ich bin ein Mensch!

Hilfe, ich bin ein Mensch!Quelle: Ausschnitt vom Cover des Buches “Hilfe, ich bin ein Mensch!”

Dein Menschenbild ist der Startpunkt für unsere gemeinsame Reise, bei der es viele faszinierende Dinge zu entdecken gibt und die uns – wer weiß – nach Protopia führt!

Seit Jahrhunderten ist die Frage nach dem Menschenbild eine der großen Debatten. Dabei kann man sehr grob – und stark vereinfacht – mit drei Philosophen drei Richtungen unterscheiden:

Thomas Hobbes sieht den Menschen als Egoisten und Konkurrenzwesen an. Den Naturzustand des Menschen bezeichnet er in seinem Hauptwerk „Leviathan“ Mitte des 17. Jahrhunderts als „Krieg alle gegen alle“.

Jean-Jacques Rousseau ist hundert Jahre später – im Zeitalter der Aufklärung – deutlich optimistischer: „Der Mensch ist von Natur aus gut.“ Er kritisiert vielmehr sehr scharf den negativen Einfluss von Gesellschaft und Kultur auf den Menschen.

John Locke, der Vater des Liberalismus, ist wiederum überzeugt, dass Seele und Verstand bei Geburt wie ein unbeschriebenes Blatt sind. Die Ideen des Menschen, das „Material all unserer Erkenntnis“, stammen seiner Ansicht nach „aus der Erfahrung“.

Jeder Mensch hat sein eigenes Menschenbild

Wir können gar nicht anders, als unsere eigene Vorstellung von der Natur des Menschen zu haben. Sie bildet eine Art Richtschnur für unser eigenes Verhalten, prägt aber auch, welches Verhalten wir von anderen Menschen erwarten. Gehen wir automatisch davon aus, dass Misstrauen das Gebot der Stunde ist, oder schenken wir Mitmenschen im Zweifelsfalle erst einmal unser Vertrauen?

Ein Buchauszug.

Der Homo oeconomicus ist ein wirtschaftswissenschaftliches Modell, das – vereinfacht gesagt – annimmt:

  • Der Mensch versucht stets seinen Eigennutz zu maximieren.
  • Der Mensch ist ein rationales Wesen.
  • Der Mensch ändert seine Vorlieben nie.

Wieviel Prozent der Menschen entsprichen dem Homo oeconomicus?

  • Nur wenige. Sorry, das Modell gehört in die Tonne!
  • Es ist das zentrale Modell der Wirtschaftswissenschaft, also ist die klare Mehrheit der Menschen ein Homo oeconomicus.
  • Etwa die Hälfte. Von allen möglichen Modellen entspricht es aber den meisten Menschen.

Antwort:

Nur sieben Prozent der Menschen entsprechen dem Modell des Homo oeconomicus.

Erklärung:

Die Studie, die systematisch untersucht hat, ob es Menschen gibt, die der Verhaltensdefinition des Homo oeconomicus entsprechen, kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Nur sieben Prozent sind in Wirklichkeit ein Homo oeconomicus. Weitere neun Prozent weisen Ähnlichkeiten auf. Übrigens zeigen Menschen dieser beiden Gruppen auch eher Züge von Psychopathen als der Durchschnitt.[1]

Wenn sie ausschließlich an Vorteilen für sich selbst interessiert sind, nähern sich rational Handelnde dem Zustand eines Psychopathen.

(John Rawls)

Und welcher Anteil der Menschen hat kaum oder gar keine Ähnlichkeit mit dem Homo oeconomicus? Sage und schreibe 84 Prozent!

Wirtschaftler waren sich so sicher vom Homo oeconomicus, dass sie sich kaum ernsthaft bemühten, ihre Prämisse zu überprüfen.

(Bertrand Russel)

Gerade hartgesottenen klassischen Wirtschaftswissenschaftlern sollte dies zu denken geben: 84 Prozent der Menschen haben keine Ähnlichkeiten mit dem Homo oeconomicus!

Eine andere Studie untersuchte 15 kulturell unterschiedliche Gemeinschaften. Das Ergebnis: Das Modell des Homo oeconomicus „versagt in allen untersuchten Gesellschaften“.

Das Modell des Homo oeconomicus ist offenbar meilenweit von der Wirklichkeit des Menschen entfernt. Die Konsequenzen für die Arbeit der Wirtschaftswissenschaften sollten eigentlich auf der Hand liegen.

Wir erfahren, dass in vielen Fällen den von Ökonomen getroffenen Vorhersagen über die reale Welt ökonomische Theorien zugrunde liegen, die vom homo oeconomicus bevölkert sind. Aber wie kann irgendjemand ernsthaft glauben, dass der homo oeconomicus uns irgendetwas über das Verhalten echter Menschen sagen kann?

(Jonathan Aldred)

Protopische Erkenntnis

Der Homo oeconomicus, das zentrale Modell der klassischen Wirtschaftswissenschaften, hat mit der überwältigenden Mehrheit der Menschen nicht viel zu tun. Dennoch ist es weiterhin ein sehr beliebtes Modell zur wirtschaftlichen Vorhersage und politischer Beratung. Mit entsprechenden

 

[1]https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0956797614538065

Der Beitrag Hilfe, ich bin ein Mensch! erschien zuerst auf .