Deutschlands Verwicklung in unzählige Kriege, die hauptsächlich den
geopolitischen Interessen der USA dienen, hat uns in eine Spirale der Gewalt
geführt, sagen die Autoren und Autorinnen des Buches „Deutschland neutral“. Dies
zu beenden liegt in unserem Interesse, im Interesse unserer Kinder. Ein
neutrales Deutschland könnte hierfür einen wichtigen Impuls geben. Dieses Buch
soll eine notwendige Debatte anstoßen. Hier ein Auszug aus dem Text von Arnulf
Rating.
Mein Leben verdanke ich einer sowjetischen Panzergranate. Sie verletzte
meinen späteren Vater so geschickt zwischen Arm und Herz, dass er schon wenige
Wochen nach dem Überfall auf die Sowjetunion aus dem Gefechtsfeld geschossen
wurde an die sogenannte Heimatfront. Der Schuss hatte ihn von weiteren
Verbrechen der Wehrmacht befreit. Das war viel: Allein in der Ukraine gab es
danach acht Millionen Tote. Wie sagte schon der Kabarettist Wolfgang Neuss: Wir
sind die Kinder und Enkel von Mördern!
Mein Vater wurde gesund, ich selbst nach der Währungsreform geboren und
spielte noch in Trümmern. Das war verboten, aber abenteuerlich. Der Krieg war
weiter gezogen. Erst nach Korea, irgendwann Vietnam. My Lai. Ich habe den
Kriegsdienst verweigert. Ich würde es heute wieder tun. In Berlin habe ich
Jahrzehnte später eine Chance für Frieden erlebt. Das östliche Militärbündnis,
der Warschauer Pakt, löste sich auf. Wir konnten es täglich erleben: nach dem
Fall der Mauer kamen Menschen aus Polen und kauften bei Aldi alles ein, packten
das in ihre Ladas und fuhren gen Warschau. Da haben wir gesagt: Der Warschauer
packt!
Das westliche Verteidigungsbündnis aber blieb bestehen. Warum? Obwohl wir
nach der Wende von Freunden umzingelt waren, dehnte sich die Nato langsam, aber
unaufgehalten, nach Osten aus.
Und nun sollen wir kriegstüchtig werden? Das ist neben enormen Krediten alias
Sondervermögen auch eine Frage der menschlichen Ressourcen. Geld gewinnt keine
Kriege. Das geht auch nicht allein mit Künstlicher Intelligenz. Da müssen
Menschen mitmachen – mit all ihrer natürlichen Dummheit. Eine große Aufgabe.
Denn über Jahrzehnte waren wir ganz anders drauf: Kein Kriegsspielzeug in
Kinderhand. Unsere antiautoritären Kinderläden waren voll mit Holzeisenbahnen
und Kuscheltieren. Diese verweichlichten Weichziele von Planet Bullerbü sollen
kriegstauglich werden?
Noch bevor die Wehrpflicht wiederkam, hat die Illustrierte „Stern“ eine
Umfrage gemacht: „Würden Sie ihr Land mit der Waffe verteidigen?“ Nur 17 Prozent
haben diese Frage mit „Ja“ beantwortet. Über 60 Prozent sagten: „Nö“. Wofür
auch? Um die wuchernden Mieten zu verteidigen? Für das bisschen Rente?
Wie schwer es werden kann, wird sich bei den Musterungen zeigen: von den
raren jungen Menschen sind viele zu dick. Diese Doppelwhopper passen in keine
Panzerluke. Klar: es gibt auch dünne Kinder der Veganer vom Prenzlauer Berg.
Aber die müssen erst mal an die Gulaschkanone herangeführt werden. Ihre Eltern
taugen auch nicht. Sie trinken ihren Caffé Latte mit Hafermilch, damit wegen
ihnen keine Kuh sterben muss.
Was wir hier reichlich haben sind alte Menschen aus geburtenstarken
Jahrgängen. Wieso nicht die Alten an die Front schicken? Das wird die
Rentenkasse entlasten.
Doch da warnen Logistiker: wir können nicht alle Schützengräben
rollstuhlgerecht ausbauen! Das verkennt den Wandel, der sich gerade mit den
Drohnen in der Kriegsführung vollzieht. Drohnen müssen gesteuert werden – dazu
taugen alle Rentner, die das Navi in ihrem Opel bedienen können: Zielkoordinaten
eingeben und los! Das geht! Notfalls noch aus dem Gitterbett im Pflegeheim.
Zusätzlich könnte die schmale Rente durch Sold aufgebessert werden. In jedem
Fall spart man die Beerdigungskosten. Die trägt der Staat.
Politiker reden ja immer davon, dass sie die Menschen mitnehmen wollen.
Deswegen sehen viele von uns auch so mitgenommen aus. Aber was ist, wenn wir es
jetzt trotz allem nicht bis zur Kriegstüchtigkeit schaffen?.
Da kommen hier ein paar Neunmalkluge ohne Ahnung von Militär und schlagen
vor: Lasst es uns doch wie Österreich und die Schweiz machen. Ohne Nato. Mit
preiswerter Neutralität.
Da winken nicht nur die Expertinnen ab, die uns heute so charmant den Krieg
erklären. Ich höre sie schon aus allen Talkshowsesseln warnen: Deutschland ohne
Nato? Neutral? Das macht der ganzen Welt Angst!
Wir sollten uns keine geschönten Vorstellungen von der Schweiz machen. Ich
weiß: da ist vieles Käse. Und oft sind da Löcher drin. Aber dort leben
Angehörige unterschiedlicher Kulturen mit sehr verschiedenen Religionen und
mehreren Sprachen in einer Konföderation zusammen. Und es geht! Die Schweizer
haben die weltweit am meisten ausgebaute direkte Demokratie. Das ist gut! Denn
wichtige Fragen wie die von Krieg und Frieden sollte man nicht den Politikern
überlassen. Politiker – das ist gar kein Ausbildungsberuf. Das ist eine
angelernte Tätigkeit. So wie Leergutannahme!
Die Eidgenossen können nicht nur Politiker wählen. Sie können über Sachfragen
abstimmen. Das trägt offenbar sehr zum Frieden bei: Im Jahr 1847 gab es den
letzten bewaffneten Konflikt in der Schweiz.
Während in diesen über 175 Jahren auf der übrigen Erde in Weltkriegen und
Schlachten weit über 100 Millionen Menschen bei Gemetzeln starben, waren die
Eidgenossen an den Blutbädern und Verbrechen nicht handgreiflich beteiligt. So
konnten sich die Schweizer genüsslich um ihre Schokolade kümmern. Damit haben
sie unbestritten Weltniveau erreicht.
Wenn es was Braunes sein darf, sollten wir ausschließlich auf gute Schokolade
setzen und uns mit der Schweiz vereinigen. Vereinigung – das kennen wir: Aus den
deutschen Bundesländern werden 16 neue Kantone, die einfach der
Eidgenossenschaft beitreten! Wir erhalten dann in den neuen Bundeskantonen die
Volksabstimmung und entscheiden selber! Motto: Kommt die Neutralität nicht zu
uns, gehen wir zu ihr!
Wir müssten nur noch Jodeln üben. Das ist anerkanntes Schweizer
Weltkulturerbe. Und offensichtlich kann man damit gut, dauerhaft und ohne
Sondervermögen Feinde, Eroberer und Diktatoren fernhalten. Lasst uns das
Jodeldiplom machen! Oder wenigstens den Jodelbachelor! Holladihihaho!
21.03.2026 - Jodeldiplomatie
Deutschlands Verwicklung in unzählige Kriege, die hauptsächlich den geopolitischen Interessen der USA dienen, hat uns in eine Spirale der Gewalt geführt, sagen die Autoren und Autorinnen des Buches „Deutschland neutral“. Dies zu beenden liegt in unserem Interesse, im Interesse unserer Kinder. Ein neutrales Deutschland könnte hierfür einen wichtigen Impuls geben. Dieses Buch soll eine notwendige Debatte anstoßen. Hier ein Auszug aus dem Text von Arnulf Rating.
Mein Leben verdanke ich einer sowjetischen Panzergranate. Sie verletzte meinen späteren Vater so geschickt zwischen Arm und Herz, dass er schon wenige Wochen nach dem Überfall auf die Sowjetunion aus dem Gefechtsfeld geschossen wurde an die sogenannte Heimatfront. Der Schuss hatte ihn von weiteren Verbrechen der Wehrmacht befreit. Das war viel: Allein in der Ukraine gab es danach acht Millionen Tote. Wie sagte schon der Kabarettist Wolfgang Neuss: Wir sind die Kinder und Enkel von Mördern!
Mein Vater wurde gesund, ich selbst nach der Währungsreform geboren und spielte noch in Trümmern. Das war verboten, aber abenteuerlich. Der Krieg war weiter gezogen. Erst nach Korea, irgendwann Vietnam. My Lai. Ich habe den Kriegsdienst verweigert. Ich würde es heute wieder tun.
In Berlin habe ich Jahrzehnte später eine Chance für Frieden erlebt. Das östliche Militärbündnis, der Warschauer Pakt, löste sich auf. Wir konnten es täglich erleben: nach dem Fall der Mauer kamen Menschen aus Polen und kauften bei Aldi alles ein, packten das in ihre Ladas und fuhren gen Warschau. Da haben wir gesagt: Der Warschauer packt!
Das westliche Verteidigungsbündnis aber blieb bestehen. Warum? Obwohl wir nach der Wende von Freunden umzingelt waren, dehnte sich die Nato langsam, aber unaufgehalten, nach Osten aus.
Und nun sollen wir kriegstüchtig werden? Das ist neben enormen Krediten alias Sondervermögen auch eine Frage der menschlichen Ressourcen. Geld gewinnt keine Kriege. Das geht auch nicht allein mit Künstlicher Intelligenz. Da müssen Menschen mitmachen – mit all ihrer natürlichen Dummheit. Eine große Aufgabe. Denn über Jahrzehnte waren wir ganz anders drauf: Kein Kriegsspielzeug in Kinderhand. Unsere antiautoritären Kinderläden waren voll mit Holzeisenbahnen und Kuscheltieren. Diese verweichlichten Weichziele von Planet Bullerbü sollen kriegstauglich werden?
Noch bevor die Wehrpflicht wiederkam, hat die Illustrierte „Stern“ eine Umfrage gemacht: „Würden Sie ihr Land mit der Waffe verteidigen?“ Nur 17 Prozent haben diese Frage mit „Ja“ beantwortet. Über 60 Prozent sagten: „Nö“. Wofür auch? Um die wuchernden Mieten zu verteidigen? Für das bisschen Rente?
Wie schwer es werden kann, wird sich bei den Musterungen zeigen: von den raren jungen Menschen sind viele zu dick. Diese Doppelwhopper passen in keine Panzerluke. Klar: es gibt auch dünne Kinder der Veganer vom Prenzlauer Berg. Aber die müssen erst mal an die Gulaschkanone herangeführt werden. Ihre Eltern taugen auch nicht. Sie trinken ihren Caffé Latte mit Hafermilch, damit wegen ihnen keine Kuh sterben muss.
Was wir hier reichlich haben sind alte Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen. Wieso nicht die Alten an die Front schicken? Das wird die Rentenkasse entlasten.
Doch da warnen Logistiker: wir können nicht alle Schützengräben rollstuhlgerecht ausbauen! Das verkennt den Wandel, der sich gerade mit den Drohnen in der Kriegsführung vollzieht. Drohnen müssen gesteuert werden – dazu taugen alle Rentner, die das Navi in ihrem Opel bedienen können: Zielkoordinaten eingeben und los! Das geht! Notfalls noch aus dem Gitterbett im Pflegeheim. Zusätzlich könnte die schmale Rente durch Sold aufgebessert werden. In jedem Fall spart man die Beerdigungskosten. Die trägt der Staat.
Politiker reden ja immer davon, dass sie die Menschen mitnehmen wollen. Deswegen sehen viele von uns auch so mitgenommen aus. Aber was ist, wenn wir es jetzt trotz allem nicht bis zur Kriegstüchtigkeit schaffen?.
Da kommen hier ein paar Neunmalkluge ohne Ahnung von Militär und schlagen vor: Lasst es uns doch wie Österreich und die Schweiz machen. Ohne Nato. Mit preiswerter Neutralität.
Da winken nicht nur die Expertinnen ab, die uns heute so charmant den Krieg erklären. Ich höre sie schon aus allen Talkshowsesseln warnen: Deutschland ohne Nato? Neutral? Das macht der ganzen Welt Angst!
Wir sollten uns keine geschönten Vorstellungen von der Schweiz machen. Ich weiß: da ist vieles Käse. Und oft sind da Löcher drin. Aber dort leben Angehörige unterschiedlicher Kulturen mit sehr verschiedenen Religionen und mehreren Sprachen in einer Konföderation zusammen. Und es geht!
Die Schweizer haben die weltweit am meisten ausgebaute direkte Demokratie. Das ist gut! Denn wichtige Fragen wie die von Krieg und Frieden sollte man nicht den Politikern überlassen. Politiker – das ist gar kein Ausbildungsberuf. Das ist eine angelernte Tätigkeit. So wie Leergutannahme!
Die Eidgenossen können nicht nur Politiker wählen. Sie können über Sachfragen abstimmen. Das trägt offenbar sehr zum Frieden bei: Im Jahr 1847 gab es den letzten bewaffneten Konflikt in der Schweiz.
Während in diesen über 175 Jahren auf der übrigen Erde in Weltkriegen und Schlachten weit über 100 Millionen Menschen bei Gemetzeln starben, waren die Eidgenossen an den Blutbädern und Verbrechen nicht handgreiflich beteiligt. So konnten sich die Schweizer genüsslich um ihre Schokolade kümmern. Damit haben sie unbestritten Weltniveau erreicht.
Wenn es was Braunes sein darf, sollten wir ausschließlich auf gute Schokolade setzen und uns mit der Schweiz vereinigen. Vereinigung – das kennen wir: Aus den deutschen Bundesländern werden 16 neue Kantone, die einfach der Eidgenossenschaft beitreten! Wir erhalten dann in den neuen Bundeskantonen die Volksabstimmung und entscheiden selber! Motto: Kommt die Neutralität nicht zu uns, gehen wir zu ihr!
Wir müssten nur noch Jodeln üben. Das ist anerkanntes Schweizer Weltkulturerbe. Und offensichtlich kann man damit gut, dauerhaft und ohne Sondervermögen Feinde, Eroberer und Diktatoren fernhalten. Lasst uns das Jodeldiplom machen! Oder wenigstens den Jodelbachelor! Holladihihaho!
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