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  1. Kommentar
Larronge_Autorenfoto_(c) Manu Theobald
Kommentar

15.03.2026 - Wenn uns die Seele krank macht

Andrea L'Arronge:

Lohnt sich ein Neubeginn auch jenseits der 50? Andrea L’Arronge sagt ganz klar: Ja. Die beliebte Schauspielerin – bekannt unter anderem aus „SOKO Kitzbühel“, „Anwalt Abel“ und „Salto Mortale“ – ließ ihr Leben Revue passieren und merkte, dass sie etwas von Grund auf ändern muss. Ihr Körper und ihre Seele zeigten es ihr überdeutlich. Sie beschloss, ihrem Leben noch mal eine völlig neue Richtung zu geben, und trennte sich nach 33 Jahren Ehe von ihrem Mann und zog nach Italien. Nun veröffentlicht sie ihre Biografie, die spannende Geschichte ihres Neuanfangs, unter dem Titel „Der Zitronenbaum in meinem Garten“. Ein Buch, nicht nur für die zahlreichen Fans von Andrea L’Arronge, sondern für alle, die Mut und Lust haben, neue Wege zu gehen und sich gleichzeitig selbst treu bleiben möchten. Die Geschichte über eine spannende Reise zu sich selbst nach dem Motto: „Alles hat seine Zeit!“

Körper, Geist und Seele sind eine untrennbare Einheit. Selbst die hartgesottensten Schulmediziner haben das inzwischen verstanden. Die Seele kann uns krank machen, wenn wir nicht auf sie hören. Krankheiten sind immer ein Signal, dass etwas nicht stimmt. Spätestens dann sollten wir mal Bilanz ziehen und uns Folgendes fragen: Bin ich zufrieden mit meinem Leben? Vermisse ich etwas? Bin ich öfter traurig oder gereizt und woran liegt das? Habe ich noch einen Dialog mit meinem Lebenspartner? Gibt er mir das Gefühl der Geborgenheit? Was ist mit Freunden, fühle ich mich wohl mit ihnen, macht mein Job mir Spaß? Kurz, bin ich eigentlich auf dem richtigen Weg, lebe ich mein Leben?

Auch ich habe ein Leben gelebt, das nicht meines war und ich habe auch noch darum gekämpft. Wie so viele Frauen in meiner Generation habe ich mich stark an das Leben meines Mannes angepasst. Ich weiß gar nicht, ob ihm das bewusst war. Wahrscheinlich hätte er es nicht mal eingefordert, aber das hätte natürlich bedeutet, dass wir vieles getrennt unternommen hätten. Deshalb habe ich ja mit dem Golfspielen angefangen, obwohl ich es eigentlich gar nicht mochte. Aber mein Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung war so stark, dass ich immer wieder über meinen Schatten sprang und Dinge tat, die mir nicht entsprachen. Und es dauerte eine ganze Weile, bis ich meine Lektion gelernt hatte. Ein Scheitern meiner Ehe kam für mich nicht infrage, ich hatte immer den Ehrgeiz, meinen Eltern zu zeigen, dass ich eine glückliche Ehe hinbekomme. Erst mit 58 habe ich kapiert, dass es so nicht weitergeht, mein Körper hat es mir schon ganz deutlich gezeigt.

Ich hatte die unterschiedlichsten Zipperlein im Laufe der letzten zehn Jahre unseres Zusammenseins. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich die Schulmedizin keinesfalls verteufele. Was täten wir ohne Akutversorgung bei einem schweren Asthma-Anfall, ohne Chirurgen bei schweren Verletzungen zum Beispiel nach einem Autounfall? Ärzte leisten mithilfe der modernen Medizin oftmals Unglaubliches. Die Arbeitsbedingungen sind kräftezehrend und schon lange ist dieser Beruf kein Traumjob mehr. Es braucht schon viel Idealismus und den ausgeprägten Wunsch, Menschen helfen zu wollen. Unser Gesundheitssystem ist aber mittlerweile so absurd, Ärzte haben meist gar keine Möglichkeit mehr, auf den Patienten einzugehen, weil die Zeit fehlt. So werden halt Pillen gegen die Beschwerden verschrieben. Symptome beseitigt, Ursachen nicht gefunden. Deshalb versuche ich es meist erst mit Hausmitteln oder der Homöopathie, bevor ich zum Arzt gehe.

Wann immer ich meinen auch homöopathisch qualifizierten Arzt aufsuchte, zeigte er mir nach einem ausführlichen Gespräch die möglichen seelischen Ursachen für meine Beschwerden auf. Kurz vor der Trennung von meinem Mann bekam ich plötzlich eine Blasenentzündung. Ich hatte das vorher noch nie gehabt. Blasenentzündungen haben oft mit Partnerschaftsproblemen zu tun. Man will gefallen, steht zurück.

Eine Weile davor hatte ich Probleme mit der Schulter. Ich konnte den Arm kaum noch heben und das ohne Unfall oder vorausgegangene Verletzung. Zufällig gastierte Dr. Rüdiger Dahlke mit einem Vortrag zum Thema »Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder« in Kitzbühel und ich ging hin. Als ich ihn fragte, was mein Schulter-Arm-Syndrom zu bedeuten hat, erinnere ich mich mit Gänsehaut an folgende Antwort:
»Beim Schulter-Arm-Syndrom bekommt jemand die Arme und damit auch die Hände nicht mehr hoch und zeigt damit, dass er sein Leben momentan nicht in den Griff bekommen kann. Vielleicht haben Sie vorher zu viel gehoben? Sie sind wie ein Vogel mit beschnittenen Flügeln. Sie können Ihr Leben wahrscheinlich nicht leben.«

Ich fühlte mich, als hätte mir jemand einen Kübel mit eiskaltem Wasser über den Kopf gegossen. Er hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Er sprach auch noch von Hängeschultern und dem gebeugten Rücken, der bei vielen Menschen zu beobachten ist. Es ist die Konsequenz aus einem Leben voller Enttäuschungen und Seelenqualen. Auch meine Mutter lief gebeugt und wenn ich in den Spiegel schaute, sah ich mit Erschrecken, wie krumm auch ich mittlerweile dastand. Forschungen aus der Epigenetik zeigen heute, dass Traumata, Ängste und Verlust sich nicht nur psychisch, sondern auch biologisch von Generation zu Generation fortsetzen können. Das Erbe der beiden Weltkriege lebt damit nicht nur in den Erinnerungen, sondern auch in unseren Zellen weiter. Das ist sicherlich einer der Gründe für die wenig positive Lebenseinstellung der Deutschen. Die »german angst« ist ein geflügeltes Wort im Ausland. Schon allein deswegen ist es eine der wichtigsten Aufgaben, unsere Probleme auf Seelenebene zu lösen, damit wir sie nicht unseren Kindern aufbürden.

Wir Menschen neigen dazu, auf Problemlösung von außen zu hoffen. Da hofft man zum Beispiel auf den Märchenprinzen, der kommt und uns wieder glücklich macht. Tatsächlich wird uns das auch ständig suggeriert. In den meisten Liebesfilmen und Geschichten steht die nächste große Liebe schon parat, kaum hat man den Ex in die Wüste geschickt. Meiner Erfahrung nach klappt das aber nicht, wir müssen uns erst mal selber aus dem Dreck zu ziehen. Wie das geht? Zuerst einmal müssen wir versuchen, herauszufinden, was bei uns schiefläuft. Das ist unter Umständen ein längerer Prozess. Während meiner Therapie durfte ich auch lernen, dass es so was wie Schuld nicht gibt. Wir alle befinden uns in einem ständigen Lernprozess und stehen an unterschiedlichen Ausgangspositionen. Deshalb kommt es vor, dass wir den anderen oft schlicht nicht verstehen.

Eine populäre Aussage, die ich oft von Vera F. Birkenbihl in ihren Vorträgen gehört habe, lautet, der größte Fehler im Umgang mit Menschen bestehe darin, zu glauben, dass sie denken wie du.

Eine Menge Menschen fühlen sich in der Opferrolle wohl. Abgesehen davon, dass es die Menschen, denen wir unser Herz ausschütten, auf die Dauer aggressiv macht, tun wir uns selbst auch nichts Gutes. Erkenntnis ist der erste Schritt und dann lerne Geduld. Setz dich nicht unter Druck, sondern sei neugierig auf das, was du über dich erfahren wirst. Hör auf, zu werten und zu verurteilen, sondern nimm dich liebevoll an, so wie du bist. Du kannst stolz auf dich sein, denn um zu erkennen, dass es vor allem an deiner Resonanz liegt, dass die Dinge schieflaufen, musst du ehrlich zu dir selbst sein. Wie viel leichter ist es, alles unter den Teppich zu kehren! Allerdings geht das nur eine Zeit lang gut, denn das Universum beschert uns immer wieder dieselben Prüfungen.

 Wir sind alle Teile des großen Ganzen und alles ist mit allem verbunden. Je fröhlicher, liebevoller, dankbarer jeder Einzelne ist, umso kraftvoller ist die kollektive Energie. Es macht keinen Sinn, sich über die Dinge, die passiert sind, aufzuregen. Wichtiger ist es, wie wir damit umgehen. Karl Valentin hat mal gesagt: »Wenn es regnet, freue ich mich. Weil wenn ich mich ärger, regnet es trotzdem.«

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Autoren von "Wenn uns die Seele krank macht"

Larronge_Autorenfoto_(c) Manu Theobald
Andrea L'Arronge

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9783987913402_Zitronenbaum_Coverdownload
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