07.03.2026 - Der einsame Patient: Volkskrankheit „Rücken”
Albert Jakob:
Rückenschmerzen gehören für Millionen Menschen zum Alltag. Arzt-Odysseen
mit Spritzen und Wärmepackungen bringen oft nur kurze Linderung. Physiotherapeut
und Osteopath Albert Jakob zeigt Ihnen mit jahrzehntelanger Erfahrung und einer
Prise Humor, wie Sie Ihren Rücken endlich verstehen – und ihn dauerhaft
entlasten. Seit 28 Jahren musste kein einziger Patient mit einem
Bandscheibenvorfall, der seine Praxis aufgesucht hat, operiert werden. Albert
Jakob nimmt Sie mit auf Ihren ganz persönlichen „Jakobsweg” zu einem
schmerzfreien Leben und stellt Ihnen den Medical Coach vor: einen Lotsen durch
den Dschungel aus Befunden, Fachärzten und Therapien. So finden Sie die
Behandlung, die wirklich zu Ihnen passt.
Rückenschmerzen sind ein Thema, das uns alle betrifft. Wenn wir in
Deutschland über die Zahl der Wirbelsäulenpatienten sprechen, kommen wir schnell
auf die schwindelerregende Zahl von mehr als 20 Millionen. Fast jeder von uns
wird irgendwann in seinem Leben mit Rückenschmerzen Bekanntschaft machen. Das
bedeutet: Millionen von Rückenpatienten suchen verzweifelt nach der einen
Behandlung, die sie von ihrem Schmerz erlöst. Die Krankenkassen zahlen jedes
Jahr zig Milliarden Euro für entsprechende Therapien – und dennoch bleibt die
Lösung für viele Patienten in weiter Ferne. Warum? Weil rund 60 Prozent der
Patienten nie eine präzise, fundierte Diagnose erhalten. Der Grund liegt
letztlich in der Kostenstruktur unseres Gesundheitssystems. Denn was fehlt den
Ärzten, um die richtige Diagnose zu stellen? Eine ganz einfache, aber kaum zu
bekommende Ressource: Zeit. Genauer gesagt, Zeit zum Zuhören. Im hektischen
Alltag einer orthopädischen Praxis, in der täglich 80 bis 100 Patienten
durchgeschleust werden, bleibt für das individuelle Schmerzschicksal rechnerisch
gerade mal ein winziger Moment – etwa 40 Sekunden. Ja, 40 Sekunden! Wie soll ein
Arzt in dieser kurzen Zeit die Geschichte eines Schmerzes verstehen, der sich
über Monate oder Jahre hinweg entwickelt hat?
Das Ergebnis: frustrierte Ärzte auf der einen Seite, die wissen, dass sie die
wahre Ursache des Schmerzes nicht finden können, und auf der anderen Seite
Patienten, die sich im Therapie-Dschungel verloren fühlen. Nach einem langen
Leidensweg werden nicht selten Therapien begonnen (oder gar Operationen
durchgeführt), die auf Röntgenbildern oder Kernspintomografien beruhen. Diese
bildgebenden Verfahren sind unbestritten sinnvoll, um strukturelle Schäden zu
erkennen (und zweifellos ein wichtiges medizinisches Hilfsmittel zum Aufspüren
anderer Erkrankungen), aber sie sind nur sehr begrenzt aussagekräftig, wenn es
darum geht, die eigentliche Ursache der Schmerzen zu identifizieren. Denn sie
bilden immer nur eine punktuelle, räumlich begrenzte Momentaufnahme ab.
Der entscheidende Punkt, der bei vielen Behandlungen zu kurz kommt, ist eine
präzise und umfassende Untersuchung der wahren Schmerzursache. Sie wäre dringend
erforderlich, aber sie braucht Zeit – mehr Zeit, als viele Ärzte in unserem
Gesundheitssystem investieren können. Denn Schmerz ist selten ein
Einzelphänomen, das einfach so auftaucht, um wieder zu verschwinden. Unser
Körper ist ein komplexes Wunderwerk, das mit seiner Umwelt in ständigem
Austausch steht. Die Ursachen von Schmerzen können weit über das betroffene
Gelenk oder den betroffenen Bereich hinausreichen. Eine ganzheitliche
Betrachtung ist deshalb unerlässlich. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie
wird immer noch viel zu oft ignoriert. Die wichtigen Fragen – Woher kommt der
Schmerz? Warum gerade jetzt? Warum das rechte, aber nicht das linke Knie? –
bleiben oft unbeantwortet. Doch diese Fragen müssen gestellt werden, wenn wir
den Schmerz wirklich verstehen wollen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Schmerz oft nicht da entsteht, wo er
sich bemerkbar macht. Ein Problem an der Schulter kann den Nacken in
Mitleidenschaft ziehen, ein Bandscheibenvorfall strahlt ins Bein aus, und eine
Blockade an der Halswirbelsäule lässt den Arm schmerzen. Doch oft wird nur die
Stelle behandelt, auf die der Patient zeigt, wenn er gefragt wird: »Wo tut es
denn weh?« Aber wenn dort nicht die wahre Ursache liegt, wird eine punktuelle
Behandlung an dieser Stelle keine Besserung bringen.
Ein Orthopäde oder Physiotherapeut, der sich nur auf das Gelenk oder den
Wirbel konzentriert, von dem der Schmerz auszugehen scheint, verhält sich ein
bisschen wie ein Astronom, der jahrelang den Mond studiert, ohne die Sterne und
Galaxien um ihn herum zu beachten. Sicher, der Mond ist spannend. Aber er ist
nur ein winziger Teil eines viel größeren Universums. Wenn wir das Umfeld nicht
einbeziehen, verstehen wir den Mond nicht vollständig. Und genauso verhält es
sich mit Schmerzen: Nur wer die Zusammenhänge erkennt, kann die Ursachen wirksam
auflösen.
Vor diesem Hintergrund ist es für mich kaum nachvollziehbar, dass viele
Patienten mit Rücken- oder Gelenk-schmerzen zwar schon mehrere Röntgen- oder
MRT-Untersuchungen hinter sich haben, aber noch niemand ihr Gangbild, ihre
Körperhaltung, ihre Beinlängen oder ihre Muskulatur genauer betrachtet hat. Und
oft hat auch niemand wirklich mit ihnen gesprochen. Da stellt sich die Frage:
Worüber reden wir hier eigentlich? Geht es darum, eine kleine Auffälligkeit im
Röntgenbild zu beheben, oder darum, dem Patienten ein schmerzfreies Leben zu
ermöglichen? Mein Ziel ist ganz klar der schmerzfreie Patient. Wenn es dem
Menschen gut geht, ist mir das Bild ziemlich egal. Natürlich kann es in manchen
Fällen eine hilfreiche Unterstützung bieten. Aber ein bildgebendes Verfahren
sollte immer erst nach einer gründlichen Untersuchung und einem Gespräch
verordnet werden – nicht umgekehrt.
Im Mai 2023 hatte ich selbst einen Fahrradunfall, bei dem ich mir die
Schulter brach. Diese Erfahrung hat mich persönlich dazu bewegt, dieses Buch zu
schreiben. Was glauben Sie: In welcher Position kann man eine Schulter nicht
richtig untersuchen? Genau, in einem tiefen Sessel sitzend. Und ausgerechnet in
dieser Haltung wurde meine Schulter »untersucht«. Nach meiner Schulteroperation
hatte ich insgesamt zwölf Kontrolltermine. Bei keiner einzigen dieser
Untersuchungen wurde ich gebeten, mein T-Shirt auszuziehen. Keiner der Ärzte
wollte die Schulter wirklich sehen, um den Heilungsprozess zu beurteilen. Hätte
ich einen riesigen Abszess an der Haut gehabt, der den Heilungsprozess gefährdet
und auf eine Komplikation hindeutet – es wäre niemandem aufgefallen.
Für mich war das eine schreckliche Erfahrung. Ich fühlte mich alleingelassen
und abgefertigt; ich hatte den Eindruck, dass sich niemand wirklich für mich und
die Ursachen meines Schmerzes interessiert. Ist das wirklich der Weg, den ein
Mediziner nach jahrelanger Ausbildung zum Orthopäden gehen sollte? Das kann
nicht sein! In Deutschland rühmen wir uns oft mit unserer hervorragenden
medizinischen Versorgung – ja, die haben wir bei Schlaganfällen, Herzinfarkten
und Krebserkrankungen. Aber in der Orthopädie und Schmerztherapie müssen wir
dringend umdenken. Da gibt es noch viel zu tun.
07.03.2026 - Der einsame Patient: Volkskrankheit „Rücken”
Rückenschmerzen gehören für Millionen Menschen zum Alltag. Arzt-Odysseen mit Spritzen und Wärmepackungen bringen oft nur kurze Linderung. Physiotherapeut und Osteopath Albert Jakob zeigt Ihnen mit jahrzehntelanger Erfahrung und einer Prise Humor, wie Sie Ihren Rücken endlich verstehen – und ihn dauerhaft entlasten. Seit 28 Jahren musste kein einziger Patient mit einem Bandscheibenvorfall, der seine Praxis aufgesucht hat, operiert werden. Albert Jakob nimmt Sie mit auf Ihren ganz persönlichen „Jakobsweg” zu einem schmerzfreien Leben und stellt Ihnen den Medical Coach vor: einen Lotsen durch den Dschungel aus Befunden, Fachärzten und Therapien. So finden Sie die Behandlung, die wirklich zu Ihnen passt.
Rückenschmerzen sind ein Thema, das uns alle betrifft. Wenn wir in Deutschland über die Zahl der Wirbelsäulenpatienten sprechen, kommen wir schnell auf die schwindelerregende Zahl von mehr als 20 Millionen. Fast jeder von uns wird irgendwann in seinem Leben mit Rückenschmerzen Bekanntschaft machen. Das bedeutet: Millionen von Rückenpatienten suchen verzweifelt nach der einen Behandlung, die sie von ihrem Schmerz erlöst. Die Krankenkassen zahlen jedes Jahr zig Milliarden Euro für entsprechende Therapien – und dennoch bleibt die Lösung für viele Patienten in weiter Ferne. Warum? Weil rund 60 Prozent der Patienten nie eine präzise, fundierte Diagnose erhalten. Der Grund liegt letztlich in der Kostenstruktur unseres Gesundheitssystems. Denn was fehlt den Ärzten, um die richtige Diagnose zu stellen? Eine ganz einfache, aber kaum zu bekommende Ressource: Zeit. Genauer gesagt, Zeit zum Zuhören. Im hektischen Alltag einer orthopädischen Praxis, in der täglich 80 bis 100 Patienten durchgeschleust werden, bleibt für das individuelle Schmerzschicksal rechnerisch gerade mal ein winziger Moment – etwa 40 Sekunden. Ja, 40 Sekunden! Wie soll ein Arzt in dieser kurzen Zeit die Geschichte eines Schmerzes verstehen, der sich über Monate oder Jahre hinweg entwickelt hat?
Das Ergebnis: frustrierte Ärzte auf der einen Seite, die wissen, dass sie die wahre Ursache des Schmerzes nicht finden können, und auf der anderen Seite Patienten, die sich im Therapie-Dschungel verloren fühlen. Nach einem langen Leidensweg werden nicht selten Therapien begonnen (oder gar Operationen durchgeführt), die auf Röntgenbildern oder Kernspintomografien beruhen. Diese bildgebenden Verfahren sind unbestritten sinnvoll, um strukturelle Schäden zu erkennen (und zweifellos ein wichtiges medizinisches Hilfsmittel zum Aufspüren anderer Erkrankungen), aber sie sind nur sehr begrenzt aussagekräftig, wenn es darum geht, die eigentliche Ursache der Schmerzen zu identifizieren. Denn sie bilden immer nur eine punktuelle, räumlich begrenzte Momentaufnahme ab.
Der entscheidende Punkt, der bei vielen Behandlungen zu kurz kommt, ist eine präzise und umfassende Untersuchung der wahren Schmerzursache. Sie wäre dringend erforderlich, aber sie braucht Zeit – mehr Zeit, als viele Ärzte in unserem Gesundheitssystem investieren können. Denn Schmerz ist selten ein Einzelphänomen, das einfach so auftaucht, um wieder zu verschwinden. Unser Körper ist ein komplexes Wunderwerk, das mit seiner Umwelt in ständigem Austausch steht. Die Ursachen von Schmerzen können weit über das betroffene Gelenk oder den betroffenen Bereich hinausreichen. Eine ganzheitliche Betrachtung ist deshalb unerlässlich. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie wird immer noch viel zu oft ignoriert. Die wichtigen Fragen – Woher kommt der Schmerz? Warum gerade jetzt? Warum das rechte, aber nicht das linke Knie? – bleiben oft unbeantwortet. Doch diese Fragen müssen gestellt werden, wenn wir den Schmerz wirklich verstehen wollen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Schmerz oft nicht da entsteht, wo er sich bemerkbar macht. Ein Problem an der Schulter kann den Nacken in Mitleidenschaft ziehen, ein Bandscheibenvorfall strahlt ins Bein aus, und eine Blockade an der Halswirbelsäule lässt den Arm schmerzen. Doch oft wird nur die Stelle behandelt, auf die der Patient zeigt, wenn er gefragt wird: »Wo tut es denn weh?« Aber wenn dort nicht die wahre Ursache liegt, wird eine punktuelle Behandlung an dieser Stelle keine Besserung bringen.
Ein Orthopäde oder Physiotherapeut, der sich nur auf das Gelenk oder den Wirbel konzentriert, von dem der Schmerz auszugehen scheint, verhält sich ein bisschen wie ein Astronom, der jahrelang den Mond studiert, ohne die Sterne und Galaxien um ihn herum zu beachten. Sicher, der Mond ist spannend. Aber er ist nur ein winziger Teil eines viel größeren Universums. Wenn wir das Umfeld nicht einbeziehen, verstehen wir den Mond nicht vollständig. Und genauso verhält es sich mit Schmerzen: Nur wer die Zusammenhänge erkennt, kann die Ursachen wirksam auflösen.
Vor diesem Hintergrund ist es für mich kaum nachvollziehbar, dass viele Patienten mit Rücken- oder Gelenk-schmerzen zwar schon mehrere Röntgen- oder MRT-Untersuchungen hinter sich haben, aber noch niemand ihr Gangbild, ihre Körperhaltung, ihre Beinlängen oder ihre Muskulatur genauer betrachtet hat. Und oft hat auch niemand wirklich mit ihnen gesprochen. Da stellt sich die Frage: Worüber reden wir hier eigentlich? Geht es darum, eine kleine Auffälligkeit im Röntgenbild zu beheben, oder darum, dem Patienten ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen? Mein Ziel ist ganz klar der schmerzfreie Patient. Wenn es dem Menschen gut geht, ist mir das Bild ziemlich egal. Natürlich kann es in manchen Fällen eine hilfreiche Unterstützung bieten. Aber ein bildgebendes Verfahren sollte immer erst nach einer gründlichen Untersuchung und einem Gespräch verordnet werden – nicht umgekehrt.
Im Mai 2023 hatte ich selbst einen Fahrradunfall, bei dem ich mir die Schulter brach. Diese Erfahrung hat mich persönlich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben. Was glauben Sie: In welcher Position kann man eine Schulter nicht richtig untersuchen? Genau, in einem tiefen Sessel sitzend. Und ausgerechnet in dieser Haltung wurde meine Schulter »untersucht«. Nach meiner Schulteroperation hatte ich insgesamt zwölf Kontrolltermine. Bei keiner einzigen dieser Untersuchungen wurde ich gebeten, mein T-Shirt auszuziehen. Keiner der Ärzte wollte die Schulter wirklich sehen, um den Heilungsprozess zu beurteilen. Hätte ich einen riesigen Abszess an der Haut gehabt, der den Heilungsprozess gefährdet und auf eine Komplikation hindeutet – es wäre niemandem aufgefallen.
Für mich war das eine schreckliche Erfahrung. Ich fühlte mich alleingelassen und abgefertigt; ich hatte den Eindruck, dass sich niemand wirklich für mich und die Ursachen meines Schmerzes interessiert. Ist das wirklich der Weg, den ein Mediziner nach jahrelanger Ausbildung zum Orthopäden gehen sollte? Das kann nicht sein! In Deutschland rühmen wir uns oft mit unserer hervorragenden medizinischen Versorgung – ja, die haben wir bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Aber in der Orthopädie und Schmerztherapie müssen wir dringend umdenken. Da gibt es noch viel zu tun.
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