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Kommentar

14.01.2024 - Höchste Zeit für mehr Tierwohl!

Renate Künast:

Berlin, 15.1.2024. Tierhaltung und Tierwohl – geht das überhaupt zusammen? Eine Frage, die auch im Rahmen der Grünen Woche wieder heiß diskutiert werden wird. Und eine Frage, die Bernward Geier, Stefanie Pöpken und Renate Künast mit dem von ihnen herausgegebenen Buch „Nutztiere – Mehr als eine Frage der Haltung“ eindeutig bejahen. Die Argumente und Belege, wie das gelingen kann, haben sie heute bei der Buchvorstellung beim NABU in Berlin zusammen mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Ophelia Nick dargelegt. Immer wieder erreichen Informationen und Bilder von schlimmsten Zuständen und dies vor allem in industriell ausgerichteten landwirtschaftlichen Betrieben die Öffentlichkeit. Diese inakzeptable und tierquälerische Haltungsform darf und muss nicht sein, wenn sich die Tierhaltung konsequent am Tierwohl ausrichtet. In dem Buch „Nutztiere – Mehr als eine Frage der Haltung“ zeigen 13 renommierte Expertinnen und Experten anhand zahlreicher Alternativen insbesondere, aber nicht nur im biologischen Landbau, dass es auch anders geht: „Es ist überfällig, endlich konsequent die Nutztierhaltung von der Tierqual zu immer mehr Tierwohl zu transformieren. Die vielen Lösungen im Buch zeigen nicht nur, wie es geht, sondern motivieren auch, es zu tun“, so einer der Herausgeber Bernward Geier. Die Agrarwissenschaftlerin Stefanie Pöpken ergänzt: „Wir dürfen den Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Tierwohlstandards nicht nur als alleinige Aufgabe der Landwirtschaft verstehen. Sie muss auch von der gesamten Gesellschaft mitgetragen werden.“ Für die Politik heißt das: vom Dilemma zu regulatorischen Lösungen. Renate Künast, ebenfalls eine der Herausgeberinnen: „Die gesellschaftliche ‚Betriebserlaubnis‘ für den Großteil der heutigen Tierhaltung ist faktisch beendet. Wir müssen den Umbau der Tierhaltung nun gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern meistern.“ Die längst überfälligen Transformationsschritte zum Wohle der landwirtschaftlichen Nutztiere müssen endlich in die Tat umgesetzt werden. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, fordert: „Wir brauchen die Tierhaltung im Kreislauf. Aber man kann eben einen Unterschied machen, wie die Tiere in der Landwirtschaft gehalten werden. Ich freue mich, dass so viele schöne Beispiele in diesem Buch zusammengekommen sind. Sie zeigen: Es geht auch anders.“ Die Fehlentwicklungen in der Nutztierhaltung spiegeln sich anschaulich im Begriff Tierproduktion, was entlarvende Ehrlichkeit ist, denn praktiziert wird weitgehend nicht artgerechte Tierhaltung, sondern vor allem eine rein am kurzfristigen Profitinteresse ausgerichtete Produktion von Tieren bzw. präziser von Fleisch, Milch oder Eiern. Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Gastgebers NABU, betont die Verbindung von Tierhaltung und Naturschutz und führt dazu u.a. aus: „Besonders die Rinderbestände müssen an das vorhandene Grünland angepasst werden. Das bedeutet automatisch mehr Tierwohl, Natur- und Klimaschutz. Ein Umbau der Tierhaltung in der Breite erfordert auch neue Finanzierungslösungen. Eine Tierwohlabgabe, wie sie die Borchert-Kommission empfiehlt, wäre ein zukunftsweisender Schritt.“ Das Buch „Nutztiere“ erscheint am 15. Januar, liefert faktenbasierte Argumente für die dringende Transformation und zeigt viele praxisbewährte und ökonomisch erfolgreiche Wege auf, wie man mit konsequentem Tierwohl den Auswirkungen der fälschlicherweise „modern“ genannten Tierproduktion Einhalt gebietet. Mit Beiträgen von Udo Censkowsky, Angela Dinter, Rupert Ebner, Franz-Theo Gottwald, Martin Häusling, Edna Hillmann, Ophelia Nick, Gerold Rahmann, Christopher Schümann, Hartmut Vogtmann.

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